ORF TV / 9.9.2013

HAMBURGER ABENDBLATT / 2.4.2013

Ausstellung im Unterground, dokumentiert auf 13 Metern

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Interview im Newsletter der HFBK Hamburg: Lerchenfeld #15 / Juni 2012

Das ART MAGAZIN in seiner Onlineausgabe / 26.10.2011:

HAMBURGER ABENDBLATT / 18.10.2011

Das temporäre Museum „Friends And Lovers In Underground“ ist die Galerie der Woche. Bis Anfang November ist es in einer Tiefgarage zu Gast.

Ein großer Künstler verkündete einst, wohin der Weg der großen Künstler in Zukunft führt: direkt in den Untergrund. Hamburger Künstler machen jetzt ernst mit Marcel Duchamps Zukunftsvision.

In der Tiefgarage eines Parkhauses gegenüber dem alten „Spiegel“-Hochhaus organisierten sie ihr temporäres Museum „Friends And Lovers In Underground“. Junge Kunst – die „Friends“ -, trifft hier auf ihre Vorbilder und „Lovers“, auf berühmte Namen wie Asger Jorn, Francesco Goya oder Robert Rauschenberg. Ob Arm oder Reich – im Untergrund sind sie alle gleich.

Sichtlich beherzigt haben die Initiatoren der Schau, unter ihnen Carola Deye, Tillmann Terbuyken, Dirk Meinzer und Urs Amadeus Ulbrich, das Konzept eines Untergrundes ohne Hierarchie. Keine Namen, keine Hinweisschilder, keine Themengruppierungen leiten den Kunstfreund durch das dichtgedrängte Nebeneinander von Friends and Lovers.

Ob einer bereits mit musealer Prominenz wie Francis Picabia bedacht ist oder sich noch seine Meriten verdienen muss, das macht hier keinen Unterschied. Wer aber unbedingt der Autorenschaft der jeweiligen Kunstwerke auf die Spur kommen will, kann dies schließlich auf der Website der Ausstellung nachholen.

In der Tiefgarage selbst darf eher nachgedacht werden, warum der Untergrund stets mit dem Charme der Improvisation, der kreativen Winkelzüge, des Verbauten, der schrägen Licht- und Ideeneinfälle einhergeht. Auf wenigen Quadratmetern stehen, liegen, hängen oder schweben Kunstwerke von mehr als 50, teils sehr prominenten Künstlern. Unter ihnen ein schwarzes Gemälde, das erst via Infrarotkamera sein Bildgeheimnis preisgibt, eine graffitiübersäte Bretterbude aus der Pariser Besetzer-Szene oder rote Backsteinmauer-Versatzstücke in der Größe einer Tischskulptur. Authentische und originale Kunstwerke, aber auch Remakes sind die Zutaten dieses brodelnden Underground-Gebräus.

Was Untergrund ist, soll hier eben auch ein wenig durch die Übernahme und das Zitieren von berühmten Vorbildern geklärt werden. Von außen werben bekannte Namenszüge wie „Moma“ oder „Museum Ludwig“ für das temporäre Museum.

Ein Begriff, den seine Organisatoren bewusst gewählt haben: Auf diese Weise werden beide Begriffe – Museum und Untergrund – auf ihre tatsächlichen Inhalte untersucht, hinterfragt und für ein paar Wochen ihren gewohnten Konnotationen beraubt.

Gern würden sie das temporäre Museum darüber hinaus in ein permanentes umwandeln. Unterstützer ihrer Idee sind willkommen. Begeistert von ihrer musealen Underground-Idee aber waren nicht nur die Künstler, die mit einer Art Schneeballprinzip Freunde aus zahlreichen Ländern mit ins Boot hievten. Begeistert waren auch ein ungenannter Sammler und Künstler, der für die prominenten Lovers sorgte, sowie Hamburger Kulturinstitutionen, die Geld gaben.

Geplant war zunächst, das temporäre Museum in einer stillgelegten U-Bahn-Röhre zu realisieren. Letztendlich ist man in der Tiefgarage gelandet. Hier darf zwar aus versicherungstechnischen Gründen immer nur eine begrenzte Zahl an Personen die Schau besuchen. Stattdessen gibt es ein großes Erdgeschoss als einladenden Warteraum. Während der dreiwöchigen Ausstellungsdauer dient er als Bar und Veranstaltungsraum für Vorträge, Konzerte und Diskussionen. Am 3. November geht es dabei um die Klärung des Begriffes Underground.

Text: Wolf Jahn